Interfaces – IAA 2013

An der HfG Schwäbisch Gmünd kennt man nichts anderes, Microsoft setzt aktuell alle Produkte damit um und Jony Ive wagt mit selbigem den Sprung in die Gegenwart, nur die Automobilindustrie hat noch nichts von “Flat Design” gehört. Willkommen auf der IAA 2013.
Bevor ich meine Verbalrandale weiter Fortsetzte, hier ein kleiner Eindruck von zwei (Achtung Wortspiel) abgefahrenen Tagen in Frankfurt.
 

 
 
Ich möchte in diesem Beitrag kein Loblied auf das “Flat Design” singen, aber es fällt auf, dass die Screens in Autos vor allem mit Effekten punkten möchten. Dies ist nicht nur verwunderlich, da gegen den allgemeinen Trend gestaltet wird, sondern vor allem, weil man beim Kontext “Autofahren” mit einem klaren reduzierten Design rechnen würde. Aber vielleicht will das teuere FPK (Frei programmierbare Kombiinstrument) auch einfach nur ausgereizt werden. Die “Unzähligen Darstellungsmöglichkeiten” mit denen Bosch wirbt, wurden jedenfalls ausgenutzt.
 
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Bestes Beispiel ist BMW, die mit ihrem ganzheitlich durchdachten Mobilitätskonzept ihre Mitbewerber in den Schatten stellen und eine Vielzahl an digitalen Services rund ums Auto anbieten. Das Erscheinungsbild der Screens ist prägnant und im Auto, auf der Elektrozapfsäule, sowie auf dem Smartphone einheitlich. Eine Ausnahme bildet das Motorrad. Hier wird auf das typische blaue Design verzichtet. Leider war man bei allen Screens der Ansicht, dass mit zunehmendem Einsatz von Effekten auch die Qualität steigt. Übersichtliche und klare Screens schauen jedenfalls anders aus.
 
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Mercedes hatte wie BMW einen fantastischen Messestand. Der BMW-Stand wurde von Mutabor in Hamburg entworfen, bei denen ich einige Wochen als Freelancer gearbeitet habe und daher den enormen Aufwand einschätzen kann. Außer dem Messestand gab es bei Mercedes ein weiteres Highlight, den Drehregler der S-Klasse. Dieser kann durch blockieren das Ende einer Liste kommunizieren. Das Blockieren des Drehreglers in eine Richtung wird mit Hilfe einer kleinen Kugel umgesetzt. Die Screendesigns waren wiederum bescheiden. Die Menüführung ist schwierig und die Designqualität mittelmäßig. In dem “Concept S-Classe Coupé” wirkt alles aufgeräumter, aber vielleicht kommt ein unausgereiftes Konzept immer reduzierter und schöner daher.
 
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Da wir nun bei Konzeptfahrzeugen mit aufgeräumten Innenleben angekommen sind, muss hier unbedingt “Kia Nero” erwähnt werden. So reduziert wurde kein weiteres Fahrzeug gestaltet. Ich bin gespannt, ob es das klare Design auch in die Serienproduktion schafft.
 
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Bei Audi war nicht nur der Messestand enttäuschend. Bis auf Kameras, die als Rückspiegel eingesetzt werden, gab es wenig Überraschendes. Dafür ist die Idee mit den digitalen Rückspiegeln cleverer, als man auf den ersten Blick annimmt. Durch einen Nachtmodus wird der Fahrer nicht geblendet und der Rückspiegel hat nicht nur ein größeres Sichtfeld, sondern verschmutzt bei schlechtem Wetter auch nicht wie herkömmliche Außenspiegel. Für die Zukunft könnte man sich vorstellen, dass der Abstand und die Geschwindigkeit des herankommenden Fahrzeugs eingeblendet wird. Dies könnte den Fahrer beim Überholvorgang unterstützen und Unfälle vermeiden.
 
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Zum Thema Audi möchte ich noch das OLED-Konzept “The swarm” erwähnen. Das Fahrzeug wurde zwar nicht auf der IAA vorgestellt, ist aber trotzdem eine Erwähnung wert.
 

 
 
Je hochpreisiger die Fahrzeuge werden, desto mehr Knöpfe und Drehreglern finden sich in den Autos. Meist sind diese nur mit Icons versehen, daher ist es schwer die Funktionen dahinter zu erraten. Eigentlich bin ich ein Freund haptischer Eingabemöglichkeiten, aber bei der Vielzahl nicht zuordenbarer Knöpfe stellt sich die Frage, ob Tesla mit ihrem 17 Zoll Touchscreen die Probleme nicht besser Löst.
 

 
 
Eine Lösung für die Zukunft könnte vielleicht eine Mischung aus beidem sein.
 

 
 
Zwar wurde das Interface vom “Opel Monza Concept” im Hinblick auf „Car-to-X“-Systeme und autonomes Fahren entworfen, wirkt aber eher wie visuelle Augenwischerei. Das Konzept sieht zwar futuristisch aus, kann allerdings mit keinem Mehrwert und keiner cleveren Idee überzeugen.
 
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Weniger futuristisch geht es bei Toyota zu. Dafür ist das Display weiter vom Fahrer entfernt und kann daher fast mit Head-Up-Displays konkurrieren.
 
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Richtige Head-Up-Displays gab es bei Continental zu begutachten. Die Schwierigkeit besteht darin, ein möglichst großes Bild weit vom Fahrer weg zu projizieren. Die dafür benötigte Spiegelkonstuktion ist sehr Platzintensiv, was die bisher oft schlecht auflösenden Head-Up-Displays erklärt. Ein weiteres Highlight war ein gebogenes 3D-Display. Die Biegung verhindert störende Reflexionen und der 3D-Effekt verdeutlicht die Entfernung von Fahrzeugen besser. Damit der 3D-Effekt sinnvoll eingesetzt wird, können unterschiedliche Bereiche im Display zwischen 2D und 3D flexibel springen. Ansonsten habe ich mich am Stand über Prototypen gefreut, die mit haptischem Feedback experimentieren. Von den Automobilzulieferern war Continental mit Abstand am interessantesten.
 
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Ein schlechtes Kontrastprogramm zu Continetal hat Preh geboten. Auf dem Bild unter diesem Text ist ihr ganzer Stolz zu sehen. Ein mit Technik beladener Prototyp ohne clevere Ideen. Der Gipfel der Gedankenlosigkeit ist eine billige “Gestensteuerung”, die mit zwei Abstandssensoren funktioniert. Dass die Gestensteuerung mit der Bedienung der anderen Buttons in Konflikt steht, scheint den Ingenieuren von Preh egal zu sein. Hier zählt der billige Effekt und Preh kann nur hoffen, dass Gestensteuerung für die meisten Besucher innovativ wirkt.
 
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Ansonsten war auffällig, dass sich die ein oder andere Firma Gedanken über luftlose Reifen macht.
 
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Zum Schluss stellt sich die Frage: Steht die Automobilindustrie wirklich vor so dramatischen Veränderungen wie BMW es mit seinem Auftritt kommuniziert? Jeder Hersteller scheint diese Frage für sich unterschiedlich zu beantworten. Die Antworten findet man am besten in der Gestaltung der Elektrozapfsäulen.
 
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Abschließend kann ich noch das Video zum Entwicklungsprozess eines HMI von Technicon empfehlen.
 



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